Aquaristik und Terraristik

Artporträt: Die Rötliche Saugbarbe

eine rötliche Saugbarbe

Dieser kleine Fisch hat viele umgangssprachliche Namen: „Knabberfisch“ oder auch „Doctor Fish“ wird er im Volksmund genannt. Sein wissenschaftlich korrekter Name ist Rötliche Saugbarbe (Garra rufa). Seine Spitznamen verdankt der kleine Kerl seiner Eigenart, abgestorbene Haut zu fressen. Deswegen wird er oft zur Therapie von Hautkrankheiten eingesetzt. In diesem Artikel wollen wir uns den medizinisch wirksamen Fisch einmal genauer ansehen.

Was für ein Fisch ist die Rötliche Saugbarbe?

Die Rötliche Saugbarbe ist ein bis zu 14 Zentimeter gro­ßer Schwarmfisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae). Ihr na­tür­li­ches Verbreitungsgebiet um­fasst die Flüsse Jordan, Orontes, Euphrat und Tigris so­wie ei­ni­ge Küstenflüsse in Nordsyrien und im Süden der Türkei. Dort lebt sie in Bodennähe in nähr­stoff­ar­mem, sau­er­stoff­rei­chem und rund 30 °C war­mem Wasser mit ge­rin­gem Pflanzenwuchs. Mangels Verstecken ist der klei­ne Fisch nicht sehr scheu. Die Rötliche Saugbarbe er­nährt si­ch haupt­säch­li­ch von Plankton, Algen und ab­ge­stor­be­nem or­ga­ni­schem Material, un­ter an­de­rem von Hautschuppen. Um an die­se Nahrung her­an­zu­kom­men, nä­hert sie si­ch po­ten­zi­el­len Nahrungslieferanten und „be­knab­bert“ sie mit ih­ren Lippen.

Die Einwohner, die mit dem „Knabberfisch“ in Berührung ka­men, er­kann­ten die po­si­ti­ve Wirkung die­ser Hautpflege schnell. Besonders be­kannt wur­de die Rötliche Saugbarbe im Kangal, denn dort lebt sie in Thermalquellen, wel­chen ei­ne hei­len­de Wirkung zu­ge­spro­chen wird. Daher ist die Rötliche Saugbarbe auch als „Kangalfisch“ be­kannt. Mittlerweile wird sie in Europa, Amerika und Asien zu the­ra­peu­ti­schen Zwecken ge­hal­ten.

Wie hilft die Rötliche Saugbarbe bei Hautkrankheiten?

Die Rötliche Saugbarbe wird un­ter an­de­rem bei Neurodermitis, Psoriasis (Schuppenflechte), Ekzemen und Akne ein­ge­setzt. Durch Anstupsen, Massieren und Saugen ent­fernt der klei­ne Karpfenfisch ab­ge­stor­be­ne Haut so­wie Hautschuppen und legt so die ge­sun­de Haut dar­un­ter frei. Dadurch wer­den ein tro­cke­nes Haut- und Spannungsgefühl so­wie Juckreiz ver­min­dert. Zudem soll der Speichel der Fische Dithranol ent­hal­ten, das ent­zün­dungs­hem­men­de Eigenschaften hat und als Wirkstoff ge­gen Schuppenflechte ein­ge­setzt wird. Da die Saugbarben aber kei­ne Zähne ha­ben, ist frag­wür­dig, in­wie­fern die Tiere ih­ren Speichel über­haupt in die mensch­li­che Haut in­ji­zie­ren kön­nen.

In Deutschland wur­de die Therapie 2001 ein­ge­führt, doch die Meinungen über die me­di­zi­ni­sche Wirkung des Fisches sind ge­teilt. Zum ei­nen fin­den si­ch vie­le po­si­ti­ve Erfahrungsberichte, die ei­ne re­gel­rech­te Wunderheilung durch die Fische be­schrei­ben. Daneben stel­len si­ch je­doch Hygienefragen. Außerdem ist no­ch nicht er­wie­sen, ob die Fische Krankheiten von Mensch zu Mensch über­tra­gen oder selbst ge­sund­heit­li­che Schäden da­vontra­gen kön­nen. Rechtlich wer­den die Tiere ähn­li­ch wie Blutegel als Arzneimittel an­ge­se­hen. Für ih­re medizinische Anwendung muss ei­ne Heilpraktikererlaubnis vor­lie­gen.

Ein Fish Spa mit SaugbarbenIn der Kosmetikbranche eben­so wie im Tourismus wird die Rötliche Saugbarbe in so­ge­nann­ten „Fish Spas“ zur Fußpflege und zur Maniküre an­ge­bo­ten. Dort ist ih­re Hauptaufgabe, über­schüs­si­ge Hornhaut zu ent­fer­nen. Der kos­me­ti­sche Einsatz ist in Deutschland von Bundesland zu Bundesland un­ter­schied­li­ch ge­re­gelt. In ei­ni­gen Regionen ist der Einsatz ein­ge­schränkt oder ver­bo­ten, da es kei­nen ein­heit­li­chen Beschluss gibt, ob die­se Art der Nutzung der Fische ge­gen das Tierschutzgesetz ver­stößt. Es ist fragwürdig, wie artgerecht die Fische gehalten werden.

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