Haustiere Hunde

Ein Erfahrungsbericht zur Physiotherapie

Leo bei der Physio

Physiotherapie klingt zunächst wie etwas, das man nur braucht, wenn man wirklich krank ist. Das nach einer Operation verordnet wird. Das man macht, um nach einem schweren Einschnitt wieder auf die Beine zu kommen. Dabei können Physiotherapeuten – und übrigens auch Osteopathen – so viel mehr für Hunde tun. Es muss nicht immer eine große Verletzung oder Operation sein. Auch Hunde können an Verspannungen leiden, an manchen Stellen zu schwache Muskeln haben, sich etwas zerren oder an kleinen Narben ein stetes Zwicken spüren. Und dann lohnt ein Besuch beim Physiotherapeuten oder Osteopathen, wie ich mit meinem eigenen Hund erleben durfte.

Wie ich mit meinem Hund zur Physiotherapie kam

Obwohl ich selbst im­mer wie­der Rückenprobleme und Verspannungen hat­te, ha­be ich mir nie Gedanken dar­über ge­macht, dass mein jun­ger, ge­sun­der und sport­li­cher Hund da­von ein­mal be­trof­fen sein könn­te. Etwa ein­ein­halb Jahre alt war Leo, als ich das er­s­te Mal ein ver­än­der­tes Gangbild bei ihm be­merk­te. Er schien den lin­ken Hinterlauf nicht rich­tig beu­gen zu wol­len, beim Bremsen setz­te er das Bein nicht auf, den Rücken mach­te er steif und form­te manch­mal ei­nen Buckel. Es gab kei­nen Vorfall wie et­wa ei­nen schwe­ren Sturz, der dies aus mei­ner Sicht hät­te er­klä­ren kön­nen. Deshalb war ich zu­nächst et­was rat­los. Bei Berührung schien er kei­ne Schmerzen zu ha­ben, lau­fen und to­ben woll­te er auch wie ge­wohnt.

So führ­te mi­ch mein Weg das er­s­te Mal zu ei­nem Physiotherapeuten für Hunde. Empfohlen wur­de mir der Therapeut von mei­ner Mutter, die dort be­reits mit ih­rem äl­te­ren Hovawart-​Rüden für ein we­nig Mobilisierung im Alter in Behandlung war.

Wofür ist das denn alles?

In der Praxis an­ge­kom­men fie­len mir vor al­lem die vie­len Geräte ins Auge: Unterwasserlaufband, Laser, TENS-​Gerät, Magnetfeldmatte, Rotlichtlampe und mehr. Der Hund er­freut si­ch al­so vie­ler ver­schie­de­ner Behandlungsmöglichkeiten aus der Humanmedizin. Ein we­nig skep­ti­sch war ich durch­aus, auch ob mein Hund si­ch über­haupt be­han­deln las­sen wür­de. Hier hängt na­tür­li­ch viel vom Therapeuten und dem Willen des Hundes ab. Nur wenn si­ch bei­de ver­ste­hen, der Hund zu nichts ge­zwun­gen wird und ei­ne ru­hi­ge Atmosphäre vor­han­den ist, kann si­ch der Vierbeiner wirk­li­ch fal­len und so­mit auch be­han­deln las­sen.

Vom Erfolg war ich sehr über­rascht. Der Physiotherapeut stell­te zü­gig den Problembereich fest – star­ke Verspannungen im hin­te­ren Rückenbereich. Mein Hund hat­te si­ch be­reits ei­ne Schonhaltung an­ge­wöhnt, was zu dem ver­än­der­ten Gangbild führ­te. Als Auslöser kann es be­reits ge­nügt ha­ben, dass er si­ch in ei­nem Loch den Fuß ver­tre­ten hat, bei ei­nem Sprung un­güns­tig lan­de­te oder auf Glatteis aus­ge­rutscht ist. Der Physiotherapeut schlug zu­nächst ei­ne Behandlung vor: ma­nu­el­le Therapie und – wenn der Hund es zu­lässt – die Anwendung von Magnetfeldmatte und TENS-​Gerät.

Die Magnetfeldmatte fand Leo je nach Tagesform we­ni­ger toll, auf dem blan­ken Boden lag es si­ch ein­fach bes­ser. Das TENS-​Gerät, ein Gerät zur Reizstromtherapie, ließ er si­ch lei­der nur we­ni­ge Male an­schlie­ßen. Da bei der Physiotherapie der Hund König ist, ver­zich­te­ten wir al­so dar­auf, doch mit der ma­nu­el­len Therapie, das heißt rei­ner the­ra­peu­ti­scher Massage, ließ si­ch bei mei­nem Hund ei­ni­ges be­wir­ken. Außerdem be­kam ich Tipps zur Vorbeugung und Weiterbehandlung zu Hause an die Hand: ho­he Sprünge und ab­rup­te Bremsbewegungen – zu­min­dest er­st ein­mal – ver­mei­den und die ver­spann­te Stelle mit ei­ner Wärmflasche nach­be­han­deln. So ent­spann­te si­ch sein Rücken lang­sam und er ge­wöhn­te si­ch die Schonhaltung all­mäh­li­ch wie­der ab.

Die Besuche lohnten sich jedes Mal

Drei Jahre war ich re­gel­mä­ßig mit ihm bei der Physiotherapie. Sobald si­ch wie­der Verspannungen zeig­ten, aber auch, als er si­ch ei­ne Sehne über­dehn­te oder ei­nen Nerv ein­klemm­te, konn­ten wir mit ma­nu­el­ler Therapie, Reizstrom, Magnetfeldmatte und Lasergerät ei­ni­ges er­rei­chen. Bei zu hef­ti­gen Beschwerden war die zu­sätz­li­che Gabe von ent­zün­dungs­hem­men­den Schmerzmitteln durch den Tierarzt er­for­der­li­ch. Nur so ließ si­ch mein Hund über­haupt an den ent­spre­chen­den Stellen rich­tig be­han­deln. Sie fingen die ers­ten Beschwerden ab. Die Physiotherapie allerdings brachte wirk­li­che Fortschritte in der Heilung und im Wohlbefinden mei­nes Hundes. Deswegen hätte ich nicht dar­auf ver­zich­ten wol­len. Auch die Osteopathie haben wir inzwischen erprobt und sind ebenso positiv überrascht von dem Erfolg wie bei der Physiotherapie.

Inzwischen weiß ich: Physiotherapie und Osteopathie sind nicht nur et­was für al­ters­schwa­che oder schwer kran­ke Tiere. Selbst bei jun­gen Hunden und ver­meint­li­ch klei­nen Problemen kann si­ch ein Besuch in ei­ner sol­chen Praxis loh­nen. Außerdem ha­be ich ge­lernt, mei­nen Hund ein we­nig ge­nau­er zu be­ob­ach­ten und bes­ser gleich zu han­deln, be­vor si­ch ei­ne klei­ne­re Verspannung zu ei­nem sehr gro­ßen und schmerz­haf­ten Problem aus­wächst.

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