Haustiere Hunde

Erkennen Hunde ihr Spiegelbild?

ein Hund, der in einen Spiegel schaut

Huch, wer ist denn das? Der er­s­te Blick in den Spiegel scheint für vie­le Hunde ein wah­res Erlebnis zu sein, star­ren ihm dar­aus doch zwei völ­lig frem­de Augen ent­ge­gen. Nach ei­ner ge­wis­sen Gewöhnungszeit be­ginnen die meisten Hunde das Spiegelbild zu igno­rie­ren. Haben sie si­ch nun selbst er­kannt oder ist ihnen der an­de­re Hund im Spiegel ein­fach egal?

Der Spiegeltest

Am Anfang steht die Frage: Wie stel­le ich fest, ob mein Hund sein Spiegelbild er­kennt? Der so­ge­nann­te Spiegeltest, bei dem ei­nem Tier schlicht ein Spiegel vor­ge­hal­ten wird, soll be­le­gen, ob das Testtier si­ch selbst er­kennt oder nicht. Schon an der ers­ten Reaktion – zum Beispiel ei­ner freu­di­gen Begrüßung wie bei ei­nem Artgenossen – ma­chen man­che Experten fest, dass das Tier si­ch nicht selbst er­kennt. Eine Abwandlung des Spiegeltests ist der be­son­ders bei Affen be­kann­te Rouge-​Test, bei wel­chem dem Tier ein far­bi­ger Punkt auf ei­ne Körperstelle ge­malt wird, der oh­ne Spiegel nicht für das Tier sicht­bar ist. Versucht das Tier nach ei­nem Blick in den Spiegel den Fleck zu ent­fer­nen, wird dies als „be­stan­den“ be­trach­tet.

Der Spiegeltest ist aber no­ch mehr als die Frage nach dem Sehen. Manche glau­ben, dar­aus Rückschlüsse auf die Existenz oder Nichtexistenz ei­nes Selbstbewusstseins be­zie­hungs­wei­se ei­nes Selbstverständnisses zie­hen zu kön­nen. Im Klartext: Erkennt der Hund si­ch nicht im Spiegel, ha­be er kein Selbstbewusstsein. Er er­ken­ne das ei­ge­ne Selbst nicht und ha­be kei­ne Vorstellung von si­ch.

Hunde zäh­len zu den Tieren, die den klas­si­schen Spiegeltest nicht be­stehen, da sie nicht auf den Farbpunkt re­agie­ren. Sie ver­su­chen nicht, die­sen von ih­rem Fell zu ent­fer­nen. Außerdem reagieren sie auf die er­s­te Begegnung mit dem an­de­ren Tier im Spiegel meist so, als wä­re es tat­säch­li­ch ein frem­der Vierbeiner. Doch heißt das nun, dass sie auch kein Selbstverständnis ha­ben?

Das Selbstbewusstsein des Hundes

Vertrauen Frauchen und Herrchen nur auf den Spiegeltest, müss­ten sie nun an­neh­men, dass ih­re Vierbeiner kein Verständnis von ih­rem Selbst ha­ben. Doch so pau­schal se­hen das bei Weitem nicht al­le Wissenschaftler. Andere Tierarten, die po­si­tiv auf den Spiegeltest re­agie­ren, ha­ben ei­nes ge­mein­sam: Sie zeich­nen si­ch durch in­ten­si­ves Orientieren an den Lebewesen in ih­rer Umgebung aus. Dies wür­de den Hund zu ei­nem per­fek­ten Kandidaten für den Test ma­chen, den­no­ch scheint er si­ch im Spiegel nicht zu er­ken­nen. Hier set­zen man­che Wissenschaftler ih­re Kritik an: Hunde sei­en wo­mög­li­ch gar nicht für die­se Art von Test ge­eig­net. Denn sie nehmen ihr Selbst wie auch ih­re Artgenossen und ih­re ge­sam­te Umwelt we­ni­ger über die Augen als über Nase und Gehör wahr. Der Spiegeltest ist wo­mög­li­ch ein­fach un­ge­eig­net für den Hund.

Erwiesen ist da­mit allerdings nur, dass der Hund vermutlich sein Spiegelbild nicht als Reflexion sei­ner selbst er­kennt. Ob er aber ein Selbstbewusstsein hat, bleibt un­ge­klärt. Was ge­n­au im Kopf un­se­rer klu­gen Vierbeiner vor­geht, kön­nen wir nach wie vor nur er­ah­nen.

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