Haustiere Hunde

Schleswig-Holstein hat sein Listenhundgesetz revidiert

drei spielende Listenhunde

Es hat eine Dekade gedauert, bis ein Bundesland aufgewacht ist und einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat: Schleswig-Holstein hat zum 1. Januar 2016 seine Rasseliste abgeschafft. Stattdessen gilt das „Gesetz zur Vorbeugung und Abwehr der von Hunden aus­ge­hen­den Gefahren“. Doch was ge­n­au hat si­ch dadurch ver­än­dert?

Rasseliste ist passé

Die wichtigste Veränderung: Es gibt keine Listenhunde mehr. Schleswig-Holstein geht also bei keiner Hunderasse mehr pauschal davon aus, dass sie gefährlich ist. Hund und Halter werden nun nicht mehr präventiv bestraft, sondern erst, wenn tatsächlich etwas verfällt. Beißt ein Hund ei­nen Menschen – au­ßer aus Selbsterhaltungstrieb her­aus oder um ei­ne Straftat zu ver­hin­dern –, kann er als ge­fähr­li­ch ein­ge­stuft wer­den. Selbiges gilt, wenn der Hund mehr­fach ag­gres­si­ves Verhalten zeigt, an­de­re Tiere ver­letzt oder die­se hetzt. Diese Einstufung kann auf Antrag des Halters und nach be­stan­de­nem Wesenstest aufgehoben werden – allerdings nach frü­hes­tens zwei Jahren.

Ist die Einstufung er­st ein­mal er­folgt, muss der Halter ei­ne Haltungserlaubnis be­an­tragen. Damit diese erteilt wird, sind unter anderem das po­li­zei­li­che Führungszeugnis und die per­sön­li­che Verfassung (Suchtverhalten, psy­chi­sche Erkrankungen) von Bedeutung. Außerdem müs­sen Halter ei­nes als ge­fähr­li­ch ein­ge­stuf­ten Hundes min­des­tens 18 Jahre alt sein und über ei­nen Sachkundenachweis ver­fü­gen.

Für die Sicherung des Hundes gibt es eben­falls Auflagen: Außerhalb des ei­ge­nen, ein­ge­zäun­ten Grundstückes ist der Hund an ei­ner ma­xi­mal zwei Meter lan­gen Leine zu füh­ren. Dafür darf er si­ch auf eingezäunten Hundeauslaufflächen oh­ne Leine, aber mit Maulkorb frei be­we­gen.

Zuchtverbot ebenfalls abgeschafft

Es hat si­ch no­ch mehr ge­än­dert: Nachdem es kei­ne Rasseliste mehr gibt, gibt es auch kein Zuchtverbot mehr. Es ist al­ler­dings ver­bo­ten, Hunde mit dem Ziel der Aggressionssteigerung zu ver­paa­ren oder aus­zu­bil­den. Des Weiteren muss für je­den Hund ab ei­nem Alter von drei Monaten ei­ne Haftpflichtversicherung ab­ge­schlos­sen wer­den, die min­des­tens 500 000 Euro Personen- und 250 000 Euro Sachschäden ab­deckt. Außerdem sind Hunde ab ei­nem Alter von drei Monaten mit ei­nem Transponder zu kenn­zeich­nen. Tätowierungen gelten nicht als Ersatz.

Die meisten anderen Bundesländer ver­mu­ten leider bis heute ei­ne Gefährlichkeit auf­grund von Rassezugehörigkeit oder Übereinstimmung mit ei­nem ge­wis­sen Hundetypus. Man­che Bundesländer unterscheiden in Kategorie eins und zwei, an­de­re nicht. Eine detaillierte Übersicht der Rasselisten, der Kategorien sowie die Verordnungen in PDF-Form finden Sie auf vitaler-hund.de.

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