Haustiere Katzen

Freigänger-Katzen: Eine Gefahr für das Ökosystem?

eine Katze auf einem Baum

Die heu­ti­ge Hauskatze (Felis sil­ves­tris ca­tus) leb­te be­reits vor 3 000 Jahren in Ägypten. Es wird ver­mu­tet, dass sie schon Jahrtausende frü­her die Welt be­völ­ker­te. Wann sie jedoch nach Europa kam, ist bis­her un­ge­klärt. Schätzungen ge­hen vom spä­ten Römischen Reich aus. Die ers­ten mo­der­nen Rassezuchtversuche wur­den von Harrison Weir durch­ge­führt. Er organisierte 1871 in London die er­s­te Zuchtausstellung und verfasste zahl­rei­che Rassestandards. Durch Mutation, Selektion und Zucht ent­stan­den schließlich die heu­te be­kann­ten, viel­far­bi­gen und ver­schie­den ge­stal­ti­gen Hauskatzen. In ih­nen steckt aber im­mer no­ch das Raubtier: Anschleichen, Lauern, Angriffssprung und Packen der Beute mit Fang und Krallen liegt den meis­ten von ih­nen no­ch im Blut. Das Problem: Die Hauskatze ist nicht auf die Beute an­ge­wie­sen. Sie rich­tet mit ih­rer Wilderei Schaden an der Natur an. Ei­ne Natur, in die sie vom Menschen als Neobiont ein­ge­bracht wur­de.

Ein Neobiont (Plural: Neobiota) ist ein Tier, das sich in einem Gebiet ausbreitet, in dem es zuvor nicht heimisch war. Neobiota sind also Neuankömmlinge, neue Akteure innerhalb eines Gleichgewichts. Manche stören dieses Gleichgewicht nicht und fügen sich mühelos ein. Andere hingegen bringen es ins Wanken und gefährden das Überleben anderer Arten. Aber zu welcher Sorte zählen nun unsere geliebten Hauskatzen?

Katzen als Neobiota: Eine Störung des natürlichen Gleichgewichts?

Gegen ei­ne un­na­tür­li­che Einwirkung der Hauskatze auf die eu­ro­päi­sche Natur spricht die Tatsache, dass si­ch auch die Europäische Wildkatze (Felis sil­ves­tris sil­ves­tris) aus­ge­brei­tet hat. Sie lebt voll­kom­men wild. Die Europäische Wildkatze ist ver­mut­li­ch oh­ne be­wuss­tes Zutun des Menschen ein­ge­wan­dert. Sie hat si­ch über Jahrtausende in das eu­ro­päi­sche Ökosystem ein­ge­fügt. Welche Folgen der neue Räuber nach sei­ner Ankunft hat­te, ist nicht be­kannt. Inzwischen wird die Wildkatze aber als ein na­tür­li­cher Bestandteil des Ökosystems an­ge­se­hen.

Die Hauskatze hin­ge­gen ist ein Nutznießer. Sie un­ter­liegt auf­grund mensch­li­cher Pflege kaum na­tür­li­cher Selektion, ist stets in bes­tem Ernährungszustand und fin­det in ih­rem Heim Unterschlupf vor Unwetter und Gefahr. Selbst ihr Jagd- und Territorialverhalten un­ter­schei­det si­ch von dem der Wildkatzen. Natürliche Feinde hat die Hauskatze kei­ne. Es gibt le­dig­li­ch meist nicht töd­li­ch en­den­de Streitigkeiten mit an­de­ren Beutetierfressern wie Marder oder Fuchs. Hinzu kommt die ra­san­te Vermehrung un­kas­trier­ter Tiere, so­wohl in mensch­li­cher Obhut als auch (halb-)verwildert. Aus zwei Hauskatzen kön­nen nach ei­nem Jahr zwölf, nach zwei Jahren 66, nach drei 350 Tiere wer­den.

Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass je­ne Tiere, die von ei­ner Hauskatze er­legt wer­den, an­dern­falls von ei­nem wil­den Räuber ge­fres­sen wor­den wä­ren. Je­doch ist ge­ra­de das Teil des Problems: Die Hauskatze stellt ei­ne Konkurrenz für an­de­re Fleischfresser wie Füchse und Raubvögel dar. Ihre Anzahl ist mit ge­schätz­ten zehn Millionen Hauskatzen und zwei Millionen ver­wil­der­ten Tieren in Deutschland au­ßer­dem hö­her als die der an­de­ren Beutegreifer.

Der Naturschutzbund warnt vor wei­te­ren Auswirkungen. Die Anwesenheit der zahl­rei­chen Katzen ver­set­ze Wildtiere be­son­ders in der Nähe von Städten in Dauerstress. Das führe teils zur Verwaisung von Vogelnestern. Jäger sind des­we­gen laut Bundesjagdgesetz im Rahmen des Jagdschutzes da­zu ver­pflich­tet, wil­dern­de Katzen un­schäd­li­ch zu ma­chen. Wie weit ih­re Befugnis reicht, be­stimmt das je­wei­li­ge Bundesland. Allerdings ist es nicht sel­ten, dass Katzen au­ßer­halb ge­schlos­se­ner Ortschaften er­schos­sen wer­den dür­fen.

Wildernde Katzen als Gefahr für Vogelarten

Das Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Wiener Universität für Bodenkultur fer­tig­te im Februar 2014 ein Gutachten mit dem Titel „Einfluss von Hauskatzen auf die hei­mi­sche Fauna und mög­li­che Managementmaßnahmen“ an. Den Ergebnissen zu­fol­ge sei­en Katzen ei­ner der größ­ten Faktoren für den Rückgang oder das Aussterben di­ver­ser Vogelarten. In England betreffe das be­son­ders Haussperling, Heckenbraunelle und Rotkehlchen, de­ren Jungvögel zu 80 bis 91 Prozent von Katzen ge­tö­tet wer­den wür­den. Selbst in Gebieten mit ge­rin­gem Katzenaufkommen lie­ge der Anteil der durch Katzen ge­tö­te­ten Vögel bei 20 bis 40 Prozent der ge­sam­ten Population. Durch ei­nen sol­chen Prädationsdruck wer­den vie­le Vogelarten zu so­ge­nann­ten „sink po­pu­la­ti­ons“. Das heißt, sie über­le­ben nur durch den ste­ten Zuzug neu­er Artvertreter, nicht mehr auf­grund ih­rer ei­ge­nen Reproduktion.

Für Kleinsäuger sei die Katze nicht zwangs­läu­fig ei­ne Gefahr: Zwar er­beu­ten Katzen haupt­säch­li­ch Mäuse und zum Teil jun­ge Feldhasen und Kaninchen, je­doch im Verhältnis zu de­ren Nachwuchs in ei­nem kaum be­denk­li­chen Ausmaß. Reptilien, Amphibien, Fische und Insekten wer­den an­schei­nend nur sel­ten Opfer von Hauskatzen.

Was kann ich dagegen tun, dass meine Katze jagt?

Katzenhalter kön­nen ge­gen das Jagdverhalten des Stubentigers nicht viel un­ter­neh­men. Die meis­ten Freigänger las­sen si­ch nur schwie­rig bis gar nicht zu rei­nen Hauskatzen ma­chen. Dennoch ist es ein Anfang, die Katze wenn mög­li­ch in der Dämmerung und Nacht im Haus zu be­hal­ten, eben­so zur Brutzeit der Vögel von et­wa Mitte April bis Mitte August. Im ei­ge­nen Garten soll­ten kei­ne Vogelhäuschen, Futterstellen oder ähn­li­ches an­ge­bracht wer­den. Im Gegenzug für den feh­len­den Freigang ist es wich­tig, die Katze zum Beispiel mit Fummelbrettern oder an­de­rem kat­zen­ge­rech­ten Spielzeug so­wie viel Aufmerksamkeit durch den Menschen zu be­schäf­ti­gen. Bringt die Katze trotz­dem ein Beutetier als Geschenk nach Hause, soll­te das Tier, wenn es un­ver­letzt ist, in si­che­rer Entfernung in die Natur ent­las­sen wer­den. Hat es Verletzungen er­lit­ten, muss es zu ei­nem Tierarzt oder in ei­ne Notstation, sei es auch nur für ei­ne fach­ge­rech­te Tötung.

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