Hamster, Mäuse, Ratten, Degus und Co.

Alle Ratten wollen kuscheln und eignen sich fürs Kinderzimmer? Von wegen!

Über jede Tierart kursieren Märchen, Gerüchte und falsche Annahmen. Das bleiben auch Ratten nicht außen vor. Fünf davon haben wir uns zur Brust genommen. In diesem Artikel wollen wir mit den Märchen über Ratten und ihre Haltung aufräumen.

Ratten sind Kuscheltiere und werden grundsätzlich zahm

Viele haben sicher schon Menschen mit Ratte auf der Schulter gesehen, beispielsweise in der Bahn. Oder kennen die Bilder von Ratten in Zeitschriften, Büchern oder dem Internet. Meistens zeigen sie Ratten, wie sie mit dem Menschen kuscheln, clickern und auf ihm rumkrabbeln. Das lässt einen schnell glauben, Ratten wären total auf Menschen fixiert und das ideale Haustier, wenn man ein lebendiges Kuscheltier sucht. Ein Kleintier, mit dem man interagieren und spielen kann. Die Sache hat aber einen Haken: Ratten haben einen eigenen Charakter. Nicht alle wollen gerne von Menschen angefasst werden oder sie als Kletterbaum nutzen. Eine gute Basis ist viel positiver Kontakt zu Menschen in den ersten Lebenswochen. Allerdings wird trotzdem – charakterbedingt – nicht jede Ratte ein „Kuscheltier“. Manche Ratten werden sehr zahm, andere weniger, wieder andere gar nicht. Diese Eigenarten eines Tieres muss man als Mensch akzeptieren und respektieren. Wer sich eine Ratte holt, sollte also nicht zu große Erwartungen an das Kuscheln haben, um nicht enttäuscht zu werden. Umso größer ist die Freude, wenn das Tier nachher eben doch knuddeln möchte.

Ratten sind tolle Tiere für Kinder

Der obere Absatz hat einen Grund, weshalb das nicht so ist, ja bereits erklärt. Nicht alle Ratten werden zahm, die wenigstens so, wie man es für ein Kind erwarten würde. Außerdem sind sie selten in ihrem Käfig zu sehen. Ratten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wenn sie aufwachen, gehören Kinder eigentlich schon ins Bett. Sind die Ratten dann erstmal munter, toben sie im Gehege und gestalten das auch gerne mal um. Dadurch können sie den Schlaf eines Kindes stören. Das führt zu schlaflosen Nächten.

Sollten die Kinder dann versuchen, die Ratten tagsüber aus dem Nest zu holen, weil sie – verständlicher Weise – etwas von den Tieren haben wollen, verursacht das unnötigen Stress bei den Ratten. Zum einen kann das ihr Immunsystem schwächen, zum anderen kann es zu Aggressivität führen.

Nicht zu vergessen ist auch der Pflegeaufwand, den eine Ratte mit sich bringt. Eine so große Verantwortung sollte kein Kind alleine tragen. Deswegen sollten Ratten nur dann in einem Haushalt mit Kindern gehalten werden, wenn sich die Eltern darum kümmern. Diese Tiere haben Bedürfnisse und Ansprüche, für deren Erfüllung Erwachsene Sorge tragen müssen. Außerdem sind Ratten verhältnismäßig krankheitsanfällig. Das bedeutet hohe Kosten und öfter mal Tierarztbesuche. Diese Summen kann ein Kind nicht aufbringen und alleine zum Tierarzt fahren kann es auch nicht.

Farbratten sind nicht so robust wie Wanderratten

Farbratten sind die domestizierte Form der Wanderratten. Da sie aus dem Labor kommen, wird ihnen nachgesagt, sie seien anfälliger für Tumore oder andere Erkrankungen. Die Wanderratte als wildes Tier, das auf der ganzen Welt vertreten ist, soll deutlich widerstandsfähiger sein. Immer wieder wird daher versucht, Wanderratten bei Farbratten einzukreuzen. Allerdings gibt es ein Problem: Wildlinge, die in Gefangenschaft gehalten werden, zeigen dieselben Krankheiten wie Farbratten. Genauso verhält es sich übrigens bei Halbwilden – also den Hybridzüchtungen aus beiden Tieren. Aber warum? Weil Wanderratten in freier Wildbahn nur äußerst selten das hohe Alter von in menschlicher Obhut lebenden Ratten erreichen. Innerhalb ihrer kürzeren Lebensdauer wirken sie daher gesünder.

Derartige Zuchtexperimente ändern daher leider nichts an der Gesundheit der Ratten. Sie haben aber einen anderen, nicht wünschenswerten Nebeneffekt. Die Hybriden sind scheuer gegenüber dem Menschen. Die Haltung durch einen Menschen verursacht ihnen daher unnötig Stress.

Ratten lassen sich gut zu zweit halten

Ratten sind sehr soziale Tiere. Das haben Beobachtungen wilder Wanderratten bewiesen. Ratten pflegen Beziehungen zu Artgenossen. Eine Einzelhaltung kommt für diese Tiere folglich nicht in Frage. Aber wie steht es um die Haltung als Paar? Auch zu zweit haben Ratten nicht ausreichend Sozialkontakte. Bei einem Paar gibt es nur ein Alphatier und ein Omegatier. Das führt oft zu Streitigkeiten oder Mobbing. Ein Rudel ab mindestens drei Tieren hingegen ist ideal für Ratten.

Mykoplasmose bei Ratten ist ein sofortiges Todesurteil

Als Mykoplasmen werden zellwandlose Bakterien bezeichnet. Sie können bei Ratten unter anderem hartnäckige Atemwegserkrankungen auslösen. Vermutlich trägt jede Ratte diesen Erreger in sich, allerdings bricht nicht bei jedem Tier Mykoplasmose aus. Kommt es jedoch dazu, gibt es nur wenige Antibiotika, die sich als wirksam gegen die Bakterien erwiesen haben. Kein Medikament ist bislang im Stande, Mykoplasmose zu heilen. Trotzdem bedeutet das nicht gleich, dass das Tier sterben muss. Durch Behandlung beim Tierarzt kann man die Symptome in den Griff bekommen. Allerdings kann Stress einen erneuten Schub verursachen.

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