Hamster, Mäuse, Ratten, Degus und Co.

Ratten als Polizeibeamte

eine Gambia-Riesenhamsterratte

Mit Ratten verbindet man meist Schmutz und Krankheiten. Als „nützlich“ würden sie wohl die wenigsten einstufen. Dabei können Ratten unglaubliches vollbringen. Die klei­nen Nager zeich­nen si­ch durch ei­nen gu­ten Geruchssinn aus. In ih­rer na­tür­li­chen Umgebung hilft er ihnen bei der Orientierung und Nahrungssuche. Außerdem sind Ratten sehr lern­freu­dig. Diese beiden Eigenschaften machen sie zu perfekten Suchern. In Afrika und Asien werden ab­ge­rich­te­te Gambia-​Riesenhamsterratten deswegen zur Landminensuche eingesetzt. Bei der niederländischen Polizei gehen trai­nier­te Farbratten auf Verbrecherjagd.

Ratten auf Minensuche

Kriege der Vergangenheit sind in vie­len Gebieten im­mer no­ch ge­gen­wär­tig. Ganze Gebiete wur­den mit Landminen ver­se­hen, so­dass die heu­ti­ge Bevölkerung wei­ter­hin in stän­di­ger Gefahr lebt. Laut UN ster­ben jähr­li­ch 15 000 Menschen durch Landminen. Eine be­ängs­ti­gen­de Zahl, die die Notwendigkeit der Räumung von Minengebieten verdeutlicht. Und dabei kommen unter anderem trainierte Ratten zum Einsatz.

Seit fast 20 Jahren bil­det die tansanisch-​belgische Organisation „Apopo“ Gambia-​Riesenhamsterratten (Cricetomys gam­bia­nus) mit­tels Clicker-​Trainings da­zu aus, den Sprengstoff TNT zu erschnüffeln. Im Gegensatz zu Minensuchhunden sind die Tiere schnel­ler und güns­ti­ger aus­zu­bil­den. Zudem kön­nen auch ver­schie­de­ne Trainer gut mit ihnen ar­bei­ten. Aber der größte Vorteil der bis zu 1,5 Kilogramm schwe­ren Tiere ist, dass sie zu leicht sind, um Minen aus­zu­lö­sen. Sie kön­nen auf die durch Gewichtskraft aus­zu­lö­sen­den Minen tre­ten und sie durch Scharren dem Trainer an­zei­gen, um ih­re Belohnung ein­zu­for­dern. Anschließend wird die Mine ent­schärft. Diese Methode ist ef­fi­zi­ent und kos­ten­güns­tig. Erstaunlich ist außerdem, wie schnell die Tiere sind: In 20 Minuten kann ei­ne Ratte ein 100 Quadratmeter gro­ßes Gebiet ab­su­chen – ein Mensch wür­de da­für zwei Tage be­nö­ti­gen.

Ratten auf Verbrecherjagd

Ungewöhnliche Wege geht die nie­der­län­di­sche Polizei, um ih­re Ausgaben zu re­du­zie­ren. Um we­ni­ger teu­re und zeit­auf­wän­di­ge Labortests ma­chen zu müs­sen, sol­len Farbratten (Rattus nor­ve­gi­cus for­ma do­me­sti­ca) zu­nächst Geruchsproben un­ter­su­chen. So wur­den die fünf Ratten Derrick, Magnum, Poirot, Jansen und Janssen – be­nannt nach ih­ren li­te­ra­ri­schen Kollegen – zum Erschnüffeln von Schmauchspuren und Drogen mit­tels Clicker-​Trainings trai­niert.

Innerhalb von zwei Sekunden kön­nen die Tiere ei­ne Geruchsprobe un­ter­su­chen. Schlägt das Tier an, wird die Probe im Labor un­ter­sucht, um ei­nen vor Gericht gül­ti­gen Beweis zu er­hal­ten. Die Tiere fun­gie­ren qua­si als Schnelltest und ge­ben ei­nen Anhaltspunkt, wel­che Probe ge­nau­er un­ter­sucht wer­den soll­te. Mit ei­ner Trefferquote von durch­schnitt­li­ch 95 Prozent ma­chen die Ratten gu­ten Polizeihunden Konkurrenz, je­doch wer­den die Ratten nicht an den Tatort ge­bracht und schnüf­feln nicht an den Verdächtigen. Dies kommt den Tieren ent­ge­gen, da sie so nur in ih­rer ver­trau­ten Umgebung ein­ge­setzt wer­den.

Hinterlassen Sie einen Kommentar