Vögel

Märchen über Wellensittiche

Ein Pärchen Wellensittiche auf einem Seil

Wellensittiche sind beliebte Ziervögel für Zuhause. In vielen Küchen, Wohn- und Kinderzimmern finden sich Käfige mit den hübschen Federtieren. Leider ist aber auch das ein oder andere Märchen über ihre Haltung im Umlauf. Und mit eben diesen wollen wir an dieser Stelle aufräumen.

Wellensittiche leben monogam

Die Vorstellung, dass ein Wellensittichpaar le­bens­lang zu­sam­men und si­ch treu bleibt, ist weit ver­brei­tet. Diese Annahme ist nicht völ­lig fal­sch. Vie­le fest ver­paar­te Wellensittiche bleiben tat­säch­li­ch ein Leben lang zu­sam­men. Es ist aber durch­aus mög­li­ch, dass so­wohl der Hahn als auch die Henne ne­ben­bei no­ch an­de­re Partner ha­ben. Polygamie ist bei Wellensittichen kei­ne Seltenheit.

Wellensittiche werden nur alleine zahm

Das Gerücht, Wellensittiche wür­den zu meh­re­ren nicht zahm wer­den, hält si­ch lei­der hart­nä­ckig. Tatsächlich wer­den die meis­ten Einzelvögel sehr schnell zahm und bau­en ei­ne star­ke Bindung zu ih­rem Menschen auf. Das unterstützt diese Annahme wahr­schein­li­ch. Jedoch be­ruht die Zahmheit ei­nes Einzelvogels auf ei­ner Verhaltensstörung. Der Wellensittich baut das Vertrauen notgedrungen auf. Als Alternative blie­be ihm nur, zu ver­ein­sa­men. Da Wellensittiche sehr so­zi­al sind, nut­zen al­lein ge­hal­te­ne Vögel die ein­zi­ge Möglichkeit ei­nes Sozialkontaktes, die sie ha­ben: ih­ren Menschen. Dieser kann aber nie­mals ei­nen Artgenossen er­set­zen, da er sei­ne Sprache nicht spricht, nicht je­de sei­ner Federn ein­zeln krau­len und er­st recht nicht mit ihm flie­gen kann. Zu zweit oder im Schwarm ge­hal­te­ne Wellensittiche ge­hen zwar meist kei­ne so ex­tre­me Bindung zu ih­rem Halter ein, kön­nen mit Liebe und Geduld aber durch­aus so zahm wer­den, dass sie auf die Hand kom­men und si­ch strei­cheln las­sen.

Wellensittiche brauchen einen Spiegel

Viele Wellensittiche lie­ben Spiegel – oder bes­ser ge­sagt ihr Spiegelbild, wel­ches sie für ei­nen Artgenossen hal­ten. Vor al­lem Einzelvögel bal­zen häu­fig sehr stark mit ih­rem ver­meint­li­chen Partner, der die Zuneigung ja so­gar zu er­wi­dern scheint. Sie ver­su­chen ihn zu füt­tern und wür­gen da­für Körner aus dem Kropf her­auf, die sie je­des Mal wie­der schlu­cken, da der Partner im Spiegel sie ja nicht an­neh­men kann. Dadurch kann über die Zeit ei­ne le­bens­ge­fähr­li­che Kropfentzündung ent­ste­hen, wes­halb Spiegel – und auch Plastikvögel – als tier­schutz­wid­ri­ges Zubehör ein­ge­stuft wer­den. Was ein Wellensittich wirk­li­ch braucht, ist ein le­ben­di­ger Artgenosse.

Ein neuer Wellensittich darf erst nach ein paar Wochen Freiflug haben

Neue Wellensittiche sol­len an­geb­li­ch min­des­tens zwei Wochen im Käfig blei­ben, da­mit sie ih­re Umgebung ken­nen­ler­nen kön­nen und nach dem Freiflug wie­der in den Käfig zu­rück­keh­ren. Diese Zeitspanne ist aber viel zu lang. Wellensittiche flie­gen in der Natur ex­trem viel und brau­chen da­her un­be­dingt täg­li­chen, mehr­stün­di­gen Freiflug. Es macht Sinn, ei­nem neu­en Tier zu­nächst ein paar Tage zur Eingewöhnung zu ge­ben, so­dass es sei­nen Käfig als Schlaf- und Futterplatz ak­zep­tie­ren kann. Spätestens nach ei­ner Woche soll­ten die Tore zum ge­si­cher­ten Freiflug aber of­fen ste­hen. Die Besonderheiten sei­ner Umgebung kann das Tier aus sei­nem Käfig her­aus nicht ab­schät­zen. Beim ers­ten Freiflug kann es da­her im­mer zu klei­nen Missgeschicken wie Abstürzen oder Zusammenstößen kom­men, egal wie lan­ge der Wellensittich si­ch das Zimmer vor­her vom Käfig aus an­schau­en konn­te.

Wird ein Wellensittich zu ei­nem be­reits vor­han­de­nen Partner oder in ei­nen Schwarm ver­ge­sell­schaf­tet, ver­kürzt si­ch die Eingewöhnungsphase al­lein da­durch, dass die alt­ein­ge­ses­se­nen Tiere dem Neuling al­les zei­gen kön­nen und er ih­nen frü­her oder spä­ter in ih­ren Käfig fol­gen wird.

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