Nutztiere

Nutztierhaltung in der Praxis: Geflügel

eine Gruppe von Hühnern mit Hahn

Was die Haltungsbedingungen angeht, muss zunächst in private und gewerbliche Landwirte unterschieden werden. Wer hobbymäßig ein paar Hühner hält, die gerade genug Eier für den Eigenbedarf und ein paar Nachbarn legen, hat ganz andere Anforderungen an seine Nutztiere und deren Haltung als ein Intensivtierhaltungsbetrieb. Und selbst hier gibt es Unterschiede. Die lassen sich am besten am Beispiel der Legehenne verdeutlichen. In Deutschland gibt es vier ver­schie­de­ne Arten der Legehennen:

Käfighaltung

Sie bie­tet den Tieren den we­nigs­ten Platz und kei­ner­lei Raum für Bewegung. Die Tiere sit­zen in Käfigen, die leicht ge­neigt sind, da­mit die ge­leg­ten Eier in ei­ne Art Regenrinne ab­rol­len kön­nen. Vor den Käfigen be­fin­den si­ch Futtertrog und Tränke, wel­che die Nahrungsaufnahme si­cher­stel­len. Die Käfige mit je drei bis sie­ben Tieren wer­den an­ein­an­der ge­reiht und ge­sta­pelt, so­dass ei­ne Legebatterie ent­steht. Durch die Gitterböden fal­len Kot und sons­ti­ger Dreck nach un­ten auf den Boden, so müs­sen nicht die Käfige, son­dern le­dig­li­ch der Fußboden ge­rei­nigt wer­den.

Die Käfighaltung kann kaum als art­ge­recht be­zeich­net wer­den. Den Tieren fehlt es an Bewegungsmöglichkeiten und ge­eig­ne­tem Bodengrund, Einstreu so­wie – zu­min­dest oft­mals – Nestern be­zie­hungs­wei­se Nestnischen. Das hat auch der Gesetzgeber er­kannt, so­dass die­se Haltungsform in­zwi­schen nach der TierSchNutztV schär­fe­ren, wenn auch nicht be­frie­di­gen­den Auflagen un­ter­liegt. Jedem Tier in Käfighaltung ste­hen dem­nach min­des­tens 1,5 DIN A4 Blätter Platz, ein Nest, Einstreu, ei­ne Möglichkeit zum Staubbaden, Picken und für an­de­re na­tür­li­che Verhaltensweisen, Sitzstangen so­wie ei­ne Kratzmatte oder ei­ne ähn­li­che Vorrichtung für die Krallenabnutzung zu. Die Tiere le­ben meist in so­ge­nann­ter Kleingruppenhaltung, das heißt 60 bis 70 Tiere in ei­nem Drahtkäfig.

Bodenhaltung

Die Bodenhaltung ist mit aus­schließ­li­cher Stallhaltung vergleichbar. Allerdings ähneln die meis­ten Großbetriebe eher ei­ner Lagerhalle. Die Tiere er­hal­ten kei­nen Auslauf im Freien, kön­nen si­ch aber in­ner­halb des Stalls frei be­we­gen – so­fern es die Hackordnung er­laubt. Ihnen ste­hen Nester so­wie Sitzstangen zur Verfügung. Außerdem ist etwa ein Drittel des Stalls mit Spänen, Sand oder ver­gleich­ba­rem Material aus­ge­streut. Hier kön­nen die Tiere na­tür­li­chen Verhaltensweisen wie dem Staubbaden nach­kom­men. Die rest­li­che Fläche, auf der si­ch auf die Sitzstangen und Nester be­fin­den und wo die Tiere auch ge­füt­tert wer­den, ist meist mit Latten oder ei­nem Gitterrost aus­ge­legt. Dadurch soll der Kot au­ßer Reichweite der Tiere fal­len, da­mit sie ihn nicht aus Versehen auf­pi­cken oder in ih­re Nester ver­schlep­pen kön­nen. In Bodenhaltung dür­fen bis zu neun Tiere pro Quadratmeter ge­hal­ten wer­den. Damit steht den Tieren we­nig Platz zur Verfügung. Zudem führt das Halten gro­ßer Gruppen ver­mehrt zu Stress und Aggression ge­gen­über den Artgenossen.

Freilandhaltung

Bei Freilandhaltung steht ne­ben ei­nem Stall ei­ne be­wach­se­ne Auslauffläche zur Verfügung. Ersterer weist zwar die glei­chen Verhältnisse wie bei der Bodenhaltung auf, da­für kom­men auf je­des Huhn min­des­tens vier Quadratmeter Außenfläche. Durch das ver­mehr­te Platzangebot kommt es sel­te­ner zu Auseinandersetzungen zwi­schen den Tieren. Allerdings be­steht die Gefahr ei­nes Raubvogelangriffs, da si­ch die gro­ßen, in­dus­tri­el­len Auslaufflächen nicht wie klei­ne, pri­va­te Gehege ge­gen Beutegreifer si­chern las­sen. Der größ­te Vorteil der Freilandhaltung ist, dass sie den Tieren die Möglichkeit bie­tet, frei und über wei­te­re Strecken zu flie­gen und na­tür­li­che Nahrung zu­sätz­li­ch zum Industriefutter im Stall auf­zu­neh­men. Für die Industrie be­steht der Nachteil die­ser Haltung im hö­he­ren Kostenaufwand für die Zäune und Verluste durch Raubtiere so­wie dem be­nö­tig­ten Platz.

Wintergartenhaltung

Die Wintergartenhaltung ist ähnlich der Freilandhaltung, nur mit einem über­dach­ten und ein­ge­zäun­ten Wintergarten. Er erlaubt den Tieren, an die frische Luft zu gehen, oh­ne wirk­li­ch nach drau­ßen zu gehen. Dadurch droht keine Gefahr durch Raubvögel.

Sowohl bei Freiland- als auch bei Wintergartenhaltung kommt es zu sozialen Konflikten. Aufgrund der Hackordnung nut­zen nie al­le Tiere den Auslauf.

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