Nutztiere

Nutztierhaltung in der Praxis: Rinder

Kuehe im Stall

Die gesetzlichen Anforderungen an die Rinderhaltung sind lückenhaft. Für Rinder über sechs Monate gel­ten laut TierSchNutztV gar kei­ne ge­son­der­ten Vorschriften. Die be­stehen le­dig­li­ch für jüngere Kälber. So dür­fen sie bei­spiels­wei­se nicht mehr als ver­meid­bar mit Kot und Urin in Berührung kom­men, müs­sen im Stall un­ge­hin­dert ste­hen und lie­gen kön­nen und dür­fen nicht fest­ge­bun­den wer­den. Für den Stall gelten ebenfalls nur wenige Bestimmungen: Stallaußenwände sol­len aus­rei­chend wär­me­ge­dämmt sein und durch die Boxenwände muss Sichtkontakt zu an­de­ren Kälbern mög­li­ch sein.

Obwohl Kühe sehr soziale Tiere sind, ist erst ab der ach­ten Lebenswoche ei­ne Gruppenhaltung Vorschrift. Zuvor wer­den die Kälber teil­wei­se in Kälberiglus ge­hal­ten. Dabei han­delt es si­ch um klei­ne Wiesen- oder Einstreuflächen mit ge­ra­de ge­nug Platz zum Stehen für ein Kalb. Meist wer­den die Tiere we­ni­ge Stunden nach ih­rer Geburt von der Mutterkuh ge­trennt und ein­zeln auf­ge­zo­gen, wäh­rend die Mutterkuh ge­mol­ken wird. Das äl­te­re Rind wird in Deutschland als Milchkuh, Fleischlieferant oder bei­des (Zweinutzungsrassen) ge­nutzt.

Wie sehen die Haltungsbedingungen bei Milchkühen aus?

Neben der rei­nen Stallhaltung ist die Freilandhaltung so­wie die ganz­jäh­ri­ge Außenhaltung mög­li­ch. Letztere ist bei Milchkühen kaum umsetzbar, da sie zweimal pro Tag gemolken werden. Für die rei­ne Stallhaltung wer­den meistens Boxenlaufställe ver­wen­det. Sie ver­fü­gen über ein­ge­streu­te Liegeboxen und kei­ne Boxentüren. Dadurch können si­ch die Tiere über­all frei be­we­gen. Die Anbindehaltung, bei der die Kühe mit ei­nem Strick oder in ei­nem Fraßgitter be­fes­tigt ihr Leben ver­brin­gen, ist in­zwi­schen glücklicherweise ver­al­tet. Neue Einrichtungen dieser Art werden nicht mehr ge­baut. Trotzdem le­ben ei­ni­ge Tiere no­ch in üb­rig ge­blie­be­nen Ställen die­ser Art. Der deut­sche Tierschutzbund schätzt ih­re Zahl auf et­wa ein Drittel al­ler in Deutschland ge­hal­te­nen Milchkühe.

Wie werden Fleischkühe gehalten?

Der Fleischerzeugung die­nen so­wohl Mastbullen als auch männ­li­che Kälber. Letztere le­ben et­wa 22 Wochen, be­vor sie für die Gewinnung von hel­lem Kalbfleisch ge­schlach­tet wer­den. Zu die­sem Zeitpunkt wei­sen die Tiere ein Schlachtgewicht von et­wa 150 Kilogramm auf. Nur mög­lichst hel­les Fleisch gilt als Delikatesse. Da­her wer­den die Kälber ei­sen­arm ge­füt­tert. Das ver­hin­dert, dass si­ch das Fleisch durch den Mineralstoff rot ein­färbt und da­durch der Verkaufspreis sinkt. Auf das Zufüttern von Grünfutter und Weidehaltung wird aus dem­sel­ben Grund meist ver­zich­tet. Die Tiere wer­den statt­des­sen in Stallmast – aus­schließ­li­ch mit Milchprodukten – auf­ge­zo­gen. Diese Fehlernährung kann Eisenmangel und Magengeschwüre her­vor­ru­fen, de­ren Aufplatzen zum Tod der Kälber führt.

Die Kälber müs­sen au­ßer­dem spä­tes­tens mit acht Monaten ge­schlach­tet wer­den, um nach EU-​Vorschrift no­ch als Kalb und nicht als Jungrind zu gel­ten. Ab ei­nem Alter von zwölf Monaten wer­den sie schließ­li­ch als aus­ge­wach­se­ne Rinder ge­han­delt. Hier ist dann die Rede von Mastbullen, die im Alter von et­wa 15 Monaten ge­schlach­tet wer­den. Bis zur Schlachtung sind sowohl die Stallhaltung mit und oh­ne Weidegang als auch rei­ne Weidehaltung mög­li­ch.

Die Mutterkuhhaltung als Alternative

Eine Alternative ist die Mutterkuhhaltung. Die Tiere le­ben in ei­nem Herdenverband zu­sam­men, sprich Mutterkuh, Kalb und teil­wei­se auch der Bulle. Die Kühe wer­den auf na­tür­li­chem Wege be­fruch­tet, säu­gen ihr Kalb selbst und le­ben oft­mals ganz­jäh­rig auf der Weide. Bei die­ser Haltungsart die­nen männ­li­che wie weib­li­che Tiere zur Fleischgewinnung. Die Milch wird aus­schließ­li­ch vom Kalb auf­ge­nom­men und nicht für wirt­schaft­li­che Zwecke ge­nutzt.

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