tierart-übergreifend

Auf den Spuren grauer Haare

ein Gorilla mit silbernem Rücken

Während wir Menschen nach und nach auf dem gesamten Kopf grau werden, sind es bei Tieren oft nur kleine Stellen im Fell, die die Farbe verlieren. Auch bekommen manche Tiere schon sehr jung die ersten grauen Haare, andere bleiben bis ins hohe Alter davon verschont. Doch wieso ist das so?

Was passiert eigentlich beim Ergrauen?

Nehmen wir als Beispiel den Hund: Seine Fellfarbe setzt si­ch aus zwei Formen von Melanin zu­sam­men: Eumelanin und Phäomelanin. Ersteres ist schwarz, Letzteres rot. Beide Melaninarten ver­mi­schen si­ch im Fell des Hundes. So entstehen die unterschiedlichsten Färbungen. In wel­chem Verhältnis das Melanin an wel­cher Stelle ge­mischt wird und wann ei­ne be­stimm­te Färbung auf­tritt, ist dem Hund ge­ne­ti­sch vor­be­stimmt. Ab und an tre­ten Fehlfarben auf, bei de­nen si­ch ei­ne der Melaninarten ver­färbt. Ein Beispiel ist das Merle-Gen, bekannt vor allem durch die Rasse Australian Shepherd. Dabei handelt es sich um ein Scheckungsgen. Es hellt das schwarze Eumelanin auf und verursacht so ei­ne Weißfärbung.

Ebenso ist genetisch vorbestimmt, wann und wo graue Haare auftauchen. Es ist allerdings nicht vollständig geklärt, wieso die Haare überhaupt ihre Farbe verlieren. Neuere Studien sol­len er­wie­sen ha­ben, dass Wasserstoffperoxid – auch als Bleichmittel be­kannt – die Ursache für die Farbveränderung ist. Es wird im Körper ste­tig in klei­nen Mengen auf- und wie­der ab­ge­baut – auch in den Haarwurzeln. Doch ver­sagt mit dem Alter der Abbauprozess, so­dass si­ch der Stoff an­la­gert und die Haare aus­bleicht (Schallreuter, 2009).

Im Tierversuch an Mäusen konn­ten ja­pa­ni­sche Wissenschaftler eben­falls ei­ne in­ter­es­san­te Entdeckung ma­chen: Das Ergrauen könn­te mit dem Absterben oder Ausdifferenzieren von Stammzellen zu tun ha­ben. Melanozytenstammzellen wer­den die­se klei­nen Wunder ge­nannt, die dem Haar sei­ne Farbe ver­lei­hen. Während des Haarwachstums wer­den die­se Zellen aus­dif­fe­ren­ziert und be­stim­men da­mit die Farbe des Haares. Im Laufe des Alterungsprozesses rei­fen al­le die­se Zellen her­an, so­dass ir­gend­wann kei­ne mehr vor­han­den sind, um die Pigmente für die Haarfarbe her­zu­stel­len. Das Haar wird grau, ge­nau­er ge­sagt farb­los (Nishimura, 2009).

Von Gorillas und Ratten

Das wohl be­rühm­tes­te Beispiel für ei­ne ab­ge­grenz­te, graue Fellstelle ist der Silberrücken ei­nes Gorillas. In ei­nem Alter von et­wa zwölf Jahren – kei­nes­wegs alt für die­se Tiere mit ei­ner Lebenserwartung von rund 40 Jahren – zeich­net si­ch auf ih­rem Rücken ei­ne graue Stelle ab. Sie ist ein Symbol der Reife. Dass der Gorilla an die­ser Stelle er­graut, ist be­reits bei sei­ner Zeugung in sei­nen Genen fest ver­an­kert.

Die Husky-​Ratte ist eben­falls ein be­kann­tes Beispiel für ei­ne par­ti­el­le Ergrauung bei Tieren. Das Besondere an die­ser Ratte ist nicht die Farbe ih­res Fells, son­dern des­sen Ausbleichen. Mit rund vier Wochen er­schei­nen die Rattenbabys no­ch völ­lig nor­mal ge­zeich­net, doch im Laufe ih­res Lebens ver­liert ihr Fell stel­len­wei­se an Farbe. Mit et­wa sechs bis acht Wochen sind die ers­ten Veränderungen fest­zu­stel­len: Das Fell hellt auf. Ab ei­nem Alter von et­wa 15 Wochen ist die al­te Fellzeichnung kaum no­ch zu er­ken­nen. Das Tier bleicht im Laufe sei­nes Lebens im­mer wei­ter aus, kann so­gar voll­stän­dig weiß wer­den. In man­chen Fällen be­trifft das nur ver­ein­zel­te, klei­ne Stellen. Diese Form des Ausbleichens ist eben­falls durch re­zes­si­ve Vererbung ge­ne­ti­sch vor­be­stimmt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar