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Tierische Patienten – wenn Tiere krank werden

ein Teddybär mit verarzteten Verletzungen

Leider kommt kaum ein Tierhalter darum herum, dass sein geliebter tierischer Begleiter einmal krank wird. Viren, Bakterien, Parasiten, fal­sche Ernährung, Gifte, Genmutationen und psychische Leiden können unseren Tieren ebenso schaden wie uns.

Was unterscheidet chronische und akute Erkrankungen?

Je nach Krankheitsdauer, -ver­lauf oder -aus­lö­ser kön­nen Erkrankungen auf un­ter­schied­li­che Weise klas­si­fi­ziert wer­den. Am be­kann­tes­ten ist si­cher­li­ch die Unterscheidung von chro­ni­schen und aku­ten Erkrankungen. Sie richtet si­ch nach der Verlaufsdauer. Bricht ei­ne Krankheit ra­sch aus und dau­ert bis zu 14 Tage, ist in der Humanmedizin von ei­ner aku­ten Erkrankung die Rede. Dauert ei­ne Erkrankung ei­nen Monat oder län­ger, ist sie chro­ni­sch. Diese Bezeichnung wird auch ver­wen­det, wenn pha­sen­wei­se Schübe ei­ner Erkrankung auf­tre­ten und da­zwi­schen sym­ptom­freie Phasen lie­gen.

Ein ty­pi­sches Beispiel für ei­ne aku­te Krankheit ist ei­ne Infektion der Atemwege, wie sie bei Menschen und Tieren auf­tre­ten kann. Je nach Erreger ist die­se harm­los oder leicht be­han­del­bar, kann si­ch aber auch zu ei­nem chro­ni­schen Verlauf aus­wach­sen, mit oder oh­ne Befall der tie­fe­ren Atemwege. Chronisch und ein Leben lang an­hal­tend sind meist Unter- oder Überfunktionen ver­schie­de­ner Organe. Eine Schilddrüsenunterfunktion bei­spiels­wei­se er­for­dert ei­ne le­bens­lan­ge Medikamentengabe, be­ein­träch­tigt das Leben des Betroffenen im Normalfall je­doch nicht wei­ter. Sie ist al­so nicht heil­bar, aber the­ra­pier­bar.

Eine wei­te­re Einteilungsmöglichkeit be­steht über die Verbreitungsform be­zie­hungs­wei­se mög­li­che Wirte. So ist die Tollwut bei­spiels­wei­se ei­ne Zoonose. Das heißt, sie kann vom Wirbeltier auf den Menschen und um­ge­kehrt über­tra­gen wer­den. Während sie si­ch aber auf kei­ne be­stimm­te Art spe­zia­li­siert, ha­ben Erreger wie Leptospiren ei­nen oder meh­re­re spe­zi­fi­sche Haupt- und Zwischenwirte, die sie be­vor­zugt be­fal­len. Andere Lebewesen kön­nen den­no­ch als Fehlwirte die­nen.

Krankheiten las­sen si­ch eben­falls ent­spre­chend ih­rem Auslöser un­ter­tei­len. Beispielsweise kann ei­ne Krankheit von au­ßen durch ei­nen be­stimm­ten kör­per­frem­den Erreger (Infektion) oder Stoff (Vergiftung) oder von in­nen durch mu­tier­te Gene (Erbkrankheiten, erb­li­che Disposition) aus­ge­löst wer­den. Von ei­ner Infektion ist die Rede, wenn ein Krankheitserreger in den Körper ein­dringt und si­ch dort ver­mehrt.

Der erbliche Faktor bei Erkrankungen

Besonders in der Zucht spielen sie eine große Rolle: Erbkrankheiten. Sie werden dem Tier so­zu­sa­gen in die Wiege ge­legt. Erbkrankheiten entstehen durch eine Mutation ei­nes oder meh­re­rer Gene. Diese Mutation kann an die nächs­te Generation wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Dabei muss nicht je­der Nachfahre er­kran­ken. Jeder Nachkomme er­hält hälf­tig die Gene von Mutter und Vater. Manche Erbkrankheiten bre­chen be­reits aus, wenn nur ein Elternteil Träger war, an­de­re er­st, wenn bei­de Elternteile das er­krank­te Allel wei­ter­ge­ben.

Es gibt aber nicht nur erb­li­che oder er­wor­be­ne Krankheiten. Zum ei­nen kön­nen man­che Erbkrankheiten spon­tan durch Neumutation auf­tre­ten, auch wenn die Vorfahren kei­ne Träger ei­nes de­fek­ten Gens wa­ren. Zum an­de­ren gibt es mul­ti­fak­t­o­ri­el­le Krankheiten, die so­wohl durch erb­li­che Disposition, als auch durch Umweltfaktoren be­dingt sind. Bei der Hüftgelenkdysplasie bei­spiels­wei­se wird da­von aus­ge­gan­gen, dass sie ei­ne Erbkrankheit ist, ih­re Entstehung und ihr Schweregrad aber durch äu­ße­re Einflüsse wie schnel­les Wachstum, star­ke (Über-)Belastung und fal­sche Fütterung ge­för­dert wer­den kön­nen. Ob al­ler­dings Gene oder Umwelteinflüsse hier ei­nen grö­ße­ren Einfluss ha­ben, ist um­strit­ten.

Eine be­kann­te, rein erb­li­ch be­ding­te Krankheit bei Tieren ist zum Beispiel der MDR1-​Defekt bei Hunden. Es han­delt si­ch da­bei um ei­nen dominant/​rezessiven Erbgang, bei dem die re­zes­si­ve Genvariante die Krankheit ver­ur­sacht. Das Tier muss al­so von bei­den Elternteilen ein mu­tier­tes Gen er­ben, um die Krankheit aus­zu­bil­den. Dadurch ent­ste­hen drei mög­li­che Genkombinationen:

  1. Der Hund erbt zwei ge­sun­de, do­mi­nan­te Gene und ist da­mit ge­sund. Er ver­erbt selbst auch nur ge­sun­de Gene.
  2. Der Hund erbt ein ge­sun­des und ein de­fek­tes Gen, ist al­so Träger und kann so­mit ein ge­sun­des oder ein de­fek­tes Gen ver­er­ben, zeigt aber selbst kei­ne Symptome.
  3. Der Hund erbt zwei de­fek­te Gene, ist da­mit von der Erkrankung be­trof­fen und gibt ein de­fek­tes Gen an sei­ne Nachfahren wei­ter.

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