tierart-übergreifend Tierschutz

Animal Hoarding

Zwei Westies hinter Gittern

Animal Hoarding – dieser Begriff ging vor allem vor einigen Jahren häufig durch die Medien. Besonders Aufsehen erregende Fälle hatten diese Erkrankung populär gemacht. Trotz der Bekanntheit und auch der Verbreitung von Animal Hoarding mangelt es derzeit noch an ei­ner Definition. Auch Untersuchungen gibt es nur wenige. Studien sind fast aus­schließ­li­ch in den USA vor­han­den. Eine Zusammenfassung ei­ni­ger die­ser Ergebnisse lie­fern un­ter an­de­rem Colin Berry, Gary Patronek und Randall Lockwood in ih­rer ei­ge­nen Untersuchung aus dem Jahr 2005. In Deutschland wag­te Tina Sperlin ei­ne er­s­te Annäherung an das Thema.

Die Krankheit Animal Hoarding

Der ty­pi­sche Hoarder ist Berry, Patronek und Lockwood zu­fol­ge weib­li­ch, mitt­le­ren Alters oder äl­ter, al­lein­ste­hend, ar­beits­los oh­ne Aussicht auf ei­ne bal­di­ge Anstellung, be­hin­dert oder im Ruhestand. Typisch sei au­ßer­dem das Sammeln von an­de­ren Gegenständen. Männliche Hoarder kön­nen je­den Alters und so­zia­len Standes sein. Darüber hin­aus wird ver­mu­tet, dass Animal Hoarding in Verbindung mit an­de­ren psy­chi­schen Erkrankungen wie Demenz, Zwangsstörungen, Suchtverhalten und Zoophilie (dem se­xu­el­len Interesse an Tieren) ver­bun­den ist.

In Deutschland gibt es der­zeit nur ei­ne Studie zum Thema Animal Hoarding, die si­ch ih­rer­seits auf ame­ri­ka­ni­sche Ergebnisse stützt. Tina Sperlin ver­fass­te die­se Dissertation mit dem Titel „Das krank­haf­te Sammeln von Tieren. Aktuelle Situation in Deutschland und Bedeutung für die Veterinärmedizin“ im Jahr 2012. Anhand von Fragebögen, die Veterinärämter in ganz Deutschland er­hiel­ten und aus­füll­ten, un­ter­such­te sie den ty­pi­schen Hoarder, sein Verhalten so­wie den Erfolg recht­li­cher Maßnahmen. Bei den Untersuchungen er­gab si­ch, dass ein Hoarder durch­schnitt­li­ch 105 Tiere ge­hal­ten hat. Meist wa­ren es bis zu drei ver­schie­de­ne Tierarten, in Extremfällen sechs bis 20 Arten. In den USA lag der Durchschnitt der Tiere pro Hoarder bei ge­ra­de ein­mal 39, das Maximum ge­hal­te­ner Tiere hingegen bei 100. In Deutschland sind sogar Fälle mit über 1 000 Tieren do­ku­men­tiert.

Am häu­figs­ten wer­den hier­zu­lan­de Katzen ge­hor­tet, dicht ge­folgt von Hunden. Mehr als die Hälfte die­ser Tiere stammt aus un­be­ab­sich­tig­ter Zucht, knapp 33 Prozent wur­den den Hoardern von anderen Menschen anvertraut.

Sperlin stell­te au­ßer­dem fest, dass si­ch die von Gary J. Patronek, Lynn Loar und Jane N. Nathanson in ih­rer Arbeit „Structuring in­ter­di­sci­pli­na­ry re­s­pon­ses to help peop­le, ani­mals and com­mu­nities at risk“ her­aus­ge­ar­bei­te­ten vier Typen ei­nes Hoarders eben­falls auf die Situation in Deutschland über­tra­gen las­sen. Die Übergänge zwi­schen den ein­zel­nen Typen kön­nen flie­ßend sein. Zudem kann je­der Typ auch Charakterzüge ei­nes an­de­ren auf­wei­sen.

Die vier Typen von Animal Hoardern

Der er­s­te Typ, der über­trie­be­ne Pfleger, be­ginnt mit dem Horten meist auf­grund ein­schnei­den­der Erlebnisse wie dem Verlust des Lebensgefährten oder des Einkommens so­wie dem Auftreten von Krankheiten oder Behinderungen. Er zeich­net si­ch durch den Willen zu hel­fen aus, pflegt sei­ne Tiere so gut es geht. Dabei ver­nach­läs­sigt er oft si­ch selbst oder ihm na­he­ste­hen­de Personen. Der Pfleger ver­leug­net auch nicht, dass er ein Problem hat. Für ihn ha­ben die Tiere den Stellenwert von ei­ge­nen Kindern.

Der zwei­te Typ, der Retter, lebt ei­ne Art Zwang aus und glaubt der ein­zi­ge zu sein, der si­ch um die ge­hor­te­ten Tiere rich­tig küm­mern kann. Auch der Retter scheint si­ch sei­nes Problems be­wusst zu sein, da er meist ver­sucht, amt­li­che Kontrollen zu er­schwe­ren oder zu um­ge­hen und die ge­hor­te­ten Tiere zu ver­ste­cken.

Der Züchter als drit­ter Typ ver­dankt sei­ne Masse an Tieren ge­rin­gen Verkaufszahlen und ei­ner gro­ßen Fortpflanzungsrate. Anstatt die Zucht zu be­en­den oder zu pau­sie­ren, wenn Tiere nicht ver­mit­telt wur­den, ver­mehrt er die­se wei­ter oder ver­hin­dert die un­ge­woll­te Vermehrung zu­min­dest nicht. Meist wer­den die Tiere in die­sen Fällen au­ßer­halb des Hauses ge­hal­ten. Dadurch trägt der Hoarder selbst kei­nen oder nur we­ni­gen ge­sund­heit­li­chen Schaden da­von, ganz im Gegensatz zu den Tieren. Der Züchtertyp ist si­ch der Zahl und dem Zustand der Tiere so­wie der Versorgungsmöglichkeiten in der Regel be­wusst und ver­sucht wie die bei­den vor­her ge­nann­ten Typen häu­fig, Tiere vor Kontrollen zu ver­ste­cken und da­mit den wah­ren Zustand sei­ner Zucht zu ver­schlei­ern.

Der vier­te Typ, der des Ausbeuters, zeich­net si­ch vor al­lem durch ei­nen Mangel an Empathie ge­gen­über Mitmenschen wie auch Tieren aus. Er sam­melt Tiere, um dar­aus ir­gend­ei­ne Form der Befriedigung zu er­lan­gen, küm­mert si­ch im Gegensatz zu den an­de­ren Typen aber nicht um die­se. Nach au­ßen hin ge­lingt es dem Ausbeuter mit­tels Charme und ge­pfleg­tem Äußeren meist, den Schein zu wah­ren.

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