Tierschutz

Feldhasen und andere Agrartiere brauchen Wiesen, Brachen und Vielfalt

ein Feldhase

Pressemitteilung des NABU

Dieses Jahr stehen die Chancen so gut wie lange nicht, dass der Osterhase die Eier bringt. Denn der Feldhase hoppelt etwas zahlreicher über die Felder und Wiesen im Südwesten. Ab März kommen die Hasenkinder zur Welt. Profitiert hat der Hasennachwuchs vom warmen, trockenen Jahr 2019.

Verglichen mit den Zahlen vor einigen Jahrzehnten verharrt die Feldhasenpopulation trotzdem auf niedrigem Niveau. Noch vor 50 Jahren lebten Feldhasen in großer Zahl in Äckern und Wiesen, wo sie krautreiche Feldränder als Versteck und Wildkräuter und weiteres Grünzeug als Nahrung fanden. Seit 1980 ist in Deutschland der Bestand jedoch um mehr als 75 Prozent eingebrochen.

Die Tiere haben mit dem Verlust an Vielfalt in der zunehmend ausgeräumten Agrarlandschaft zu kämpfen. „Wir setzen unseren Feldhasen, aber auch Feldvögeln wie Feldlerche und Rebhuhn, eine eintönige Diät vor. Welcher Vegetarier würde sich zum Beispiel ausschließlich von Raps, Weizen und Mais ernähren wollen? Hasen brauchen Vielfalt statt Monokulturen“, sagt NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke.

Mehr Vielfalt für den Feldhasen

Damit Meister Lampe & Co. wieder abwechslungsreiche Nahrung und Verstecke auf Feld und Wiesen finden, braucht es eine Bewirtschaftung, die den Feldtieren das Überleben erleichtert. Davon würden auch stark gefährdete Insekten profitieren, ebenso der Feldhamster, der mit Ausnahme einer winzigen Fläche bei Mannheim, im Südwesten ausgestorben ist. Weniger Dünger und Pestizide, eine Aussaat in breiter Saatreihe, ein fester Anteil an nutzungsfreien Flächen (Brachen) sowie mehr Hülsenfrüchte, wie Rotklee, Luzerne, Linsen oder Erbsen, in der Fruchtfolge im Ackerbau helfen dabei, die Arten der Feldflur zu beleben.

Aber auch die Wiesenbewirtschaftung kann positiv Einfluss nehmen: Ein später Mähtermin und eine schonende Mähtechnik helfen dem Hasennachwuchs beim Überleben. „Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft konnten zwar die Erträge gesteigert werden, die Artenvielfalt im Offenland blieb dabei aber auf der Strecke. Die landwirtschaftlichen Betriebe können mit einer Vielzahl kleinerer und größerer Maßnahmen die Lebensbedingungen für Feldhase & Co. verbessern. Neben den Landwirtinnen und Landwirten ist auch die Politik gefordert“ sagt Goedecke.

Ein Anstoß des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ im Land ist unter anderem, diese Lebensbedingungen auf Wiesen und Äckern zu verbessern. Hierzu werden Lebensräume aufgewertet und die Biotopvernetzung gefördert. In einer Agrarkampagne anlässlich der aktuellen EU-Verhandlungen zum Agrarbudget fordert der NABU neben mehr Geld auch mehr Platz für die Natur „Space for Nature“: Auf jedem Betrieb sollen zehn Prozent der Fläche aus der Produktion genommen und wieder für die Natur freigegeben werden.

Damit sich die Natur- und Artenschutzarbeit der Landwirtsfamilien auch in Baden-Württemberg lohnt, braucht es finanzielle Anreize und Beratung für die Betriebe. Das Land muss zusätzlich zum EU-Topf gezielt Fördergelder zur Verfügung stellen. Lokale Projekte zeigen, dass sich die Arbeit lohnt, sie muss jetzt auf die Fläche ausgedehnt werden.

NABU-Aktion: Werde laut für den Feldhasen!

Hilfe ist bitter nötig, denn der Bestand an Feldhasen geht in Europa seit Jahrzehnten zurück. Die intensive Landwirtschaft beseitigt Feldraine und Hecken und nimmt durch Pestizide den Tieren lebenswichtige Wildkräuter. So sind sie und ihr Nachwuchs Gefahren schutzlos ausgeliefert und finden nicht mehr genügend Nahrung. Es ist dringend Zeit zu handeln, für Feldhase, Kiebitz, Erdhummel und Co. Mit einer Sprachnachricht an die Abgeordneten des EU-Parlaments können Bürgerinnen und Bürger den bedrohten Arten eine Stimme geben. Damit die EU dieses Jahr die Weichen für eine naturverträgliche Landwirtschaft stellt.

Mitmachen bei der Agrarkampagne des NABU: https://mitmachen.nabu.de/werdelaut

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