Tierschutz

REACH: Die Chemikalien-Kontrolle

Ratte hinter Gittern

Die Abkürzung REACH steht für „Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of CHemicals“. Gemeint ist damit die europäische Chemikalienverordnung. Sie regelt detailliert die Zulassung, Herstellung und den Vertrieb chemischer Stoffe. Ziel der Verordnung ist es, die Verantwortung für die Unbedenklichkeit verwendeter Chemikalien in die Hände der Hersteller und Unternehmen zu legen. 2007 wurde REACH eingeführt und brachte einige wichtige Neuerungen mit sich. Dazu gehört die Einführung einer Zulassungspflicht für chemische Stoffe sowie einer Auskunftspflicht seitens der Hersteller. Dadurch sollen Verbraucher wichtige Informationen direkt auf der Verpackung lesen können. Allerdings kamen die meisten verwendeten chemischen Stoffe vor der Einführung einer entsprechenden Regel auf den Markt. Daher sind sie nicht auf ihre Schädlichkeit hin getestet. Das soll im Rahmen von REACH bis 2018 nachgeholt werden.

Wie arbeitet REACH?

Hersteller und Importeure von Chemikalien sind durch REACH dazu verpflichtet, im Zuge der Registrierung ihres Produkts bei der ECHA (Europäische Chemikalienagentur) systematisierte Daten über verwendete Chemikalien vorzulegen. Ob diese schädlich sein könnten, entscheidet der Hersteller zunächst selbst. Die meisten der Registrierungsdaten sind auf der Homepage der ECHA einsehbar. Ohne diese Registrierung dürfen Chemikalien nicht verkauft oder anderweitig in Umlauf gebracht werden. REACH prüft alle angegebenen Daten auf Vollständigkeit, doch nur bei fünf Prozent erfolgt eine genaue Überprüfung über die ECHA. Als besonders schädlich vermutete Stoffe (SVHCs) werden zusätzlich einer Kontrolle unterzogen.

Außerdem ist ein Antrag auf Zulassung chemischer Stoffe notwendig (Zulassungspflicht). Das gilt aber ebenfalls nur für SVHCs. Damit sind Stoffe gemeint, die folgende Eigenschaften besitzen:

  1. krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend
  2. giftig und langlebig in der Umwelt und in Organismen anreichernd
  3. sehr langlebig in der Umwelt und sehr stark in Organismen anreichernd
  4. ähnlich besorgniserregende Eigenschaften (z. B. hormonelle Wirkung) haben

Es existiert in der EU keine allgemeine Zulassungspflicht für Chemikalien. Allerdings kann aufgrund der überprüften Daten eine Beschränkung erteilt werden, die den Verkauf oder die Verwendung einer Substanz einschränkt.

REACH und Tierversuche

Wenn es um chemische Stoffe und die Daten zu deren Zulassung geht, ist eines nicht zu vergessen: Die Stoffe müssen getestet werden. Bei Tierschützern schlugen daher nach Einführung der Verordnung zu Recht die Alarmglocken. Erstens wurden vor der Einführung von REACH kaum Chemikalien getestet, weshalb es auch kaum bestehende Studien gibt. Zweitens wird von REACH eine nachträgliche Registrierung aller auf dem Markt befindlichen Chemikalien bis 2018 gefordert. Das dürfte einen Boom an Tierversuchen nach sich ziehen. Leider ist bis heute wenig davon zu lesen.

Das weckte besonders beim deutschen Tierschutzbund Besorgnis: Lagen die anfänglichen Schätzungen noch bei 30 000 zu testenden Chemikalien, hatte sich nach den ersten Registrierungen 2008 gezeigt, dass es sich um fast die fünffache Menge handeln dürfte. Experten schätzten, dass dafür bis zu 54 Millionen Versuchstiere nötig seien. Der deutsche Tierschutzbund schlug eine Alternative vor: Computersimulationen, welche sogar genauere Daten liefern sollen als die meist nicht auf den Mensch übertragbaren Tierversuche.

Durch dieses Engagement bezog REACH 2010 den Tierschutzgedanken in die Planung mit ein, das Projekt folgt nun dem Grundsatz, dass Tierversuche nur als letztes Mittel eingesetzt werden dürfen, um entsprechende Daten zu gewinnen. Für eine Registrierung von Chemikalien sind neue Tierversuche nicht mehr notwendig, Hersteller sind sogar verpflichtet, sich über vorhandene Studien an Wirbeltieren aus den vergangenen zwölf Jahren kundig zu machen. Liegen keine entsprechenden Studien vor, kann das Unternehmen dennoch nicht einfach loslegen. Die ECHA muss Tierversuche genehmigen. Sie veröffentlicht den Antrag zunächst und versucht, bestehende Ergebnisse einzuholen. Erst nach diesem Prüfungsverfahren fällt die Entscheidung, ob und in welchem Umfang erneute Tierversuche gestattet sind.

Quelle und weitere Informationen: http://www.reach-info.de/einfuehrung.htm

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