Tierschutz

Was kann ich gegen Tierversuche tun?

ein Kaninchen an Gitterstäben

Tierversuche sind leider noch immer oft das Mittel der Wahl, um die Verträglichkeit verschiedener Produkte zu testen. Für die Tiere ist das mit Schmerz und Leid verbunden, dabei gibt es durchaus Alternativen. Selbst gegen Tierversuche vorzugehen ist einfacher, als man denkt. Sie müssen beim Einkauf nur ein bisschen die Augen offen halten, welche Produkte Sie in Ihren Einkaufswagen packen. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot und Sie als Verbraucher und Käufer bestimmen die Nachfrage. In diesem Artikel finden Sie Tipps, woran Sie tierversuchsfreie Produkte erkennen. Außerdem finden Sie hier einen kleinen Einblick in die Welt der Tierversuche: Für welche Produkte werden sie durchgeführt und an welchen Tieren?

Tierversuche für Tabakwaren

Tierversuche für Zigaretten wer­den meist an Laborbeagles, aber auch an Primaten und Kaninchen durch­ge­führt. Es kur­sie­ren im­mer wie­der Bilder von den rau­chen­den Tieren im Internet, wel­che in ei­nem Gestell fi­xiert wer­den und mit­tels ei­ne Art Gasmaske ge­zwun­gen wer­den, die gif­ti­gen Dämpfe ein­zu­at­men. So wer­den vor al­lem neue Zusatzstoffe für Zigaretten ge­tes­tet, wel­che die Konsumenten un­ter Umständen no­ch ab­hän­gi­ger oder den Tabak ge­sund­heit­li­ch be­denk­li­cher ma­chen kön­nen.

Was kann ich aber tun? Das Rauchen auf­zu­ge­ben wä­re die ein­fachs­te Lösung. Das ist nicht nur hilf­reich im Kampf ge­gen Tierversuche, son­dern schont so­wohl den Geldbeutel als auch die Gesundheit. Der Gedanke an die Versuchstiere, wel­che für die Zigaretten ihr Leben las­sen, ist dem ein oder an­de­ren Raucher si­cher ein zu­sätz­li­cher Anreiz, die­se Gewohnheit ab­zu­le­gen. Aber auch pas­sio­nier­te Raucher kön­nen ih­ren Beitrag leis­ten und auf tier­ver­suchs­freie Marken um­stei­gen. Die Marken der Firma Eicken (Burton, Manitou, Pepe) so­wie Pueblo sind ei­ne tier­ver­suchs­freie Alternative.

EU-weites Verbot für an Tieren getestete Kosmetika

Am 11. März 2013 trat nach jah­re­lan­ger Kampagnenarbeit ver­schie­de­ner Tierschutzorganisationen ein EU-weites Einfuhr- und Verkaufsverbot von an Tieren ge­tes­te­ten Kosmetikprodukten und -in­halts­stof­fen in Kraft. Bereits seit den 1990er Jahren kämp­ften Tierschützer hierfür.

Tierversuche als Testmethode für die Verträglichkeit von Kosmetika sind eigentlich längst überholt. Es stehen bereits ausreichend getestete Rohstoffe zur Verfügung. Das gilt für Kosmetika ebenso wie für Reinigungsmittel. Leider sind auch be­reits be­kann­te Rohstoffe nicht im­mer tier­ver­suchs­frei, oder zu­min­dest nicht mehr lan­ge: Viele der­zeit nicht ge­tes­te­te Stoffe müs­sen auf­grund von „REACH“ in den nächs­ten Jahren nach­ge­tes­tet wer­den. „REACH“ trat bereits 2007 in Kraft und bezeichnet die Europäische Chemikalienverordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Der Grundsatz ist eigentlich gut verständlich: Hersteller und Importeure sollen Verantwortung für die Chemikalien übernehmen, die sie in Umlauf bringen. Das heißt, sie müssen sicher anwendbar sein. Das bedeutet aber auch, dass einige Tests anstehen, die genau das beweisen sollen. Tests an Tieren.

Zum Glück gibt es Alternativen: Praktischerweise ge­hö­ren Kosmetika und Reinigungsmittel oft zur sel­ben Dachfirma. So sind zum Beispiel die Eigenmarken von DM, un­ter die auch die Kosmetik von P2 so­wie die Reinigungsmittel von Denk fal­len, tier­ver­suchs­frei.

Warum werden Kosmetika überhaupt zuerst an Tieren getestet?

Verfechter von Tierversuchen ar­gu­men­tie­ren häu­fig da­mit, dass an Tieren ge­tes­te­te Kosmetika für den Verbraucher un­be­denk­li­ch seien. Dass Tierversuche kein Garant für die Sicherheit der Menschen sind, zei­gen im­mer wie­der Schadensfälle, in de­nen be­stimm­te Rohstoffe bei Versuchstieren an­ders wir­ken als bei Menschen. Ein no­ch vie­len be­kann­tes Beispiel dürf­te die Contergan-​Katastrophe aus den 1960er Jahren sein. Contergan ist ein Beruhigungsmittel, wel­ches als un­be­denk­li­ch galt und we­gen sei­ner übel­keits­lin­dern­den Wirkung vor al­lem von schwan­ge­ren Frauen ein­ge­nom­men wur­de.

Erst spä­ter zeig­te si­ch, dass das Medikament zu Missbildungen und Behinderungen der Kinder führ­te. Schätzungen ge­hen da­von aus, dass welt­weit rund 5 000 bis 10 000 ge­schä­dig­te Kinder zur Welt ka­men. Dabei galt das Medikament auf Grundlage vor­he­ri­ger Tierversuche als un­be­denk­li­ch und war lan­ge Zeit nicht ein­mal re­zept­pflich­tig.

Contergan ist aber kein Einzelfall. In den letz­ten zwei Jahren muss­ten in der Schweiz über 20 Medikamente vom Markt ge­nom­men oder mit Zulassungsbeschränkungen ver­se­hen wer­den – sie wie­sen le­bens­ge­fähr­li­che Nebenwirkungen auf, die im Rahmen der Tierversuche nicht er­kannt wur­den. Erst im Januar star­te­te die Überprüfung ei­nes Medikamentes zur Behandlung von Multipler Sklerose, da es zu elf un­er­klär­li­chen Todesfällen kam. Ein ähn­li­ches Präparat, wel­ches Multiple Sklerose, rheu­ma­ti­sche Arthritis und wei­te­re Immunkrankheiten hei­len soll­te, sorg­te 2006 in der hu­ma­nen Testreihe für Aufsehen. Testpersonen wie­sen ei­ne Überreaktion des Immunsystems auf, was schwe­re ge­sund­heit­li­che Schäden nach si­ch zog, dar­un­ter der Verlust von Fingern oder Zehen. Bis heu­te lei­den die Testpersonen un­ter den Nachwirkungen, ob­wohl die tie­ri­sche Testreihe nichts Derartiges ver­mu­ten ließ.

Deutsche Mediziner schla­gen eben­falls Alarm: Die Testverfahren sei­en nicht aus­rei­chend, nicht ge­n­au ge­nug, be­son­ders die Versuche am Menschen selbst. Im Jahr 2010 schätz­ten Experten, dass rund 16 000 bis 25 000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland auf Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten zu­rück gin­gen.

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