Wildtiere

Gefahrenpunkt Wildwechsel

ein Reh in einer Wiese

Die dreieckigen Warnschilder mit dem springenden Hirsch darauf kennt wohl jeder Autofahrer. Sie zeigen an: Achtung, hier findet vermehrt Wildwechsel statt. Autofahrer sollten an solchen Stellen besonders vorsichtig sein, denn eine Kollision mit einem Reh oder Wildschwein ist für Tier und Fahrer gefährlich bis tödlich. Jedes Jahr kommt es zu etwa 220 000 solcher Zusammenstöße im Straßenverkehr. Der Deutsche Jagdverband mit sei­nen Landesverbände und der ADAC be­schäf­ti­gen si­ch seit Langem mit der Frage, wie si­ch die­se Zahl ef­fek­tiv ver­rin­gern lässt. So wurden verschiedene Maßnahmen wie far­bi­ge Reflektoren, Duftzäune, Infrarot-​Warnanlagen und Grünbrücken entwickelt.

Duftzäune

Tiere haben einen sehr feinen Geruchssinn. Daher kommt die Idee, sie über diesen von der Straße fernzuhalten. Dafür werden Geruchsdepots, bestehend aus aushärtendem Schaum, an Straßenabschnitten mit starkem Wildwechsel platziert. Der Schaum sondert einen derartigen Gestank ab, dass sich die Wildtiere fern halten. Dieser „betörende“ Duft besteht aus 800fach verstärktem Menschenschweißgeruch, ver­mischt mit Luchs-, Wolfs- und Bärenausdünstungen. Die Duftnote zeigt Wirkung: durch­schnitt­li­ch 50 Prozent we­ni­ger Wildunfälle, an man­chen Stellen so­gar 70 bis 80 Prozent. Das Problem des Duftzauns ist aber sein ho­her Preis. Die meis­ten Duftnoten müs­sen in­ner­halb we­ni­ger Wochen er­neu­ert und groß­flä­chig ver­teilt wer­den. Außerdem be­steht die Gefahr, dass sich das Wild schnell an den Geruch ge­wöhnt.

Reflektoren an Leitpfosten

Reflektor am StraßenrandReflektierendes Licht ist eine der einfachsten Methoden, das Wild davor zu warnen, dass ein Auto vorbeifährt. In Blau, Rot oder Weiß sind die Reflektoren für die Leitpfosten am Straßenrand erhältlich. Wenn das Licht der Fahrzeugscheinwerfer auf sie fällt, reflektieren sie es weg von der Straße in Richtung Wald und Felder. Also genau dorthin, wo sich das Wild befinden dürfte. Rehe, Hirsche und Wildschweine re­agie­ren auf die­ses Licht und „ver­hof­fen“. Das heißt: Sie blei­ben ste­hen und war­ten ab. Bereits die­se kur­ze Zeitspanne von we­ni­gen Sekunden ge­nügt, da­mit ein Autofahrer mit vor­ge­schrie­be­nem Tempo auf ei­ner Landstraße vor­bei­fah­ren kann, be­vor si­ch das Tier in Bewegung setzt. Auf man­chen Landstraßen kam es nach der Einführung der Reflektoren bei Nacht zu kei­nem ein­zi­gen Wildunfall mehr.

Der Nachteil: Die Reflektoren sind nur bei Nacht wirk­sam. Sonnen- oder Abblendlicht rei­chen nicht aus, um ei­nen ent­spre­chend star­ken Lichtreflex zu er­zeu­gen. Kleinere Wildtiere wie Hase und Fuchs wer­den da­von gar nicht be­ein­flusst. Die Reflektoren sind so hoch an­ge­bracht, dass das Licht über sie hin­wegstrahlt.

Elektronische Wildwarnanlagen

Die elektronischen Wildwarnanlagen waren bisher eigentlich nur zu Studienzwecken auf deutschen Straßen zu sehen. Von 2006 bis 2008 wurde an ei­ner baden-württembergischen Bundesstraße ent­lang ei­ner Strecke von 3,5 Kilometern ein Wildschutzzaun mit zwei Querungsstellen er­baut. An die­sen zwei Durchgängen wa­ren Infrarotsensoren plat­ziert, wel­che Bewegung re­gis­trier­ten und ein Signal an elek­tro­ni­sche Warntafeln sen­de­ten. Auf die­sen er­schien ei­ne Warnung vor Wildwechsel, die Geschwindigkeit wur­de zu­dem auf 50 bis 70 Kilometer pro Stunde ge­dros­selt. Nach zehn Minuten oh­ne Bewegung schal­te­ten si­ch die Warntafeln wie­der ab. Die Zahl an Wildunfällen konn­te da­durch um durch­schnitt­li­ch 75 Prozent ge­senkt wer­den. Aufgrund ih­res Preises sind der­ar­ti­ge Anlagen aber bis­her kaum zu se­hen. Die Sensoren er­for­dern au­ßer­dem ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Wartung.

Grünbrücken

Grün- oder Wildbrücken sind ver­mut­li­ch die äl­tes­ten der hier ge­nann­ten Wildtierschutzmaßnahmen. Dabei han­delt es si­ch um grü­ne Landschaftsstreifen, die zum Beispiel ober­halb ei­nes Tunneleingangs ei­ner Straße ent­lang­lau­fen. Sie er­mög­li­chen dem Wild, die Straße ge­fahr­los zu über­que­ren, oh­ne die Fahrbahn be­tre­ten zu müs­sen. Die Breite va­ri­iert da­bei sehr stark: 50 bis 80 Meter Grünstreifen wer­den für grö­ße­res Wild wie Hirsche be­nö­tigt, für Kleintierbrücken ge­nü­gen we­ni­ge Meter. Die Ränder sind oft­mals mit Hecken be­pflanzt, um das Wild auf di­rek­tem Wege die Wildbrücke ent­lang zu lei­ten. Für die Wirksamkeit der Grünbrücke ist ent­schei­dend, dass sie an ei­ner be­vor­zug­ten Wildwechselstelle er­baut wird. Zusätzlich wer­den vie­ler­orts Wildschutzzäune er­rich­tet, um dem Wild das Überqueren an­de­rer Straßenstellen zu er­schwe­ren.

Nicht al­le Grünbrücken er­zie­len den ge­wünsch­ten Erfolg, da das Wild sie nicht im­mer an­nimmt oder sie nicht an den be­vor­zug­ten Querungswegen ge­baut wer­den kön­nen. Hinzu kom­men die mas­si­ven, teils in die Millionen ge­hen­den Kosten für den Bau.

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